Diatretglas: ein mysteriöses Meisterwerk der Glaskunst

Eine besonders ausgefallene und in der Produktion sehr aufwändige Form von historischem Glas ist Diatretglas. Um seine Herstellung ranken sich zahlreiche Mythen. Grund genug, sich diesen Höhepunkt des Glaserei-Handwerks genauer anzuschauen.

Herstellung von Diatretglas

Die Bezeichnung Diatretglas entstammt dem Griechischen (diatreton: durchbrochen, durchbohrt). In den meisten Fällen handelt es sich um einen glockenförmigen, äußerst prunkvollen und doppelwandigen Gefäßkörper, der von einem Glasnetz umgeben wird. Aus diesem Grund nennt man Diatretglas oft auch Netzbecher (im Englischen: cage cups).
Die Geschichte dieses speziellen Glases liegt im Dunkeln. Historiker gehen davon aus, dass Diatretglas in der römischen Antike hergestellt wurde. Man entdeckte jedoch erst 1680 in Norditalien das erste Diatretglas nachrömischer Zeit. Seitdem versuchen Glaser weltweit, das Geheimnis der Herstellung zu lüften. Mittlerweile existieren zwei Theorien dazu. Einige Glaskünstler gehen davon aus, dass Diatretglas zum Bereich Glasschliff gehört. Dafür wird zunächst das Motiv aus einem geblasenen Rohling als Relief herausgeschliffen. Danach kann das überschüssige Glas entfernt werden. Übrig bleibt ein filigranes Muster – gehalten von einigen wenigen Glasstegen. Diese Technik hat sich in der Praxis bei der Produktion von Diatretglas-Repliken bereits bewährt.
Bei der Presstheorie wird mit Hilfe von Gips, Quarzmehl und einem perforierten Zwischenbecher ein zweischaliger Glasrohling angefertigt. Aus diesem soll dann das Glasnetz aufgeschliffen werden. Diese Theorie konnte bisher noch nicht praktisch umgesetzt werden.

Funktion und Verbreitung von Diatretglas

Gefundenes Diatretglas hatte in den meisten Fällen die Form von Trinkgefäßen. Außerdem waren sie oft mit Trinksprüchen verziert. Viele Exemplare von Diatretglas besitzen jedoch eine abgesetzte Lippe, die mit einem Bronzering umfasst ist – ein typisches Merkmal für einen aufgehängten Leuchtkörper. Endgültig kann die Funktion daher nicht geklärt werden.
In der römischen Zeit gab es kaum ein wertvolleres Glas als Diatretglas. Als edles Prunkglas war es äußerst begehrt und – archäologischen Funden nach zu urteilen – weit im römischen Herrschaftsgebiet verbreitet. Eine ähnliche Bedeutung hatte nur das kobaltblaue Muranoglas aus Venedig. Bekannte Diatretgläser sind heute der sogenannte „Lykurgosbecher“ – seit 1945 im Besitz des Britischen Museums – und das Köln – Braunsfelder – Diatretglas aus dem Römisch-Germanischen Museum in Köln. Die Gläser stammen in etwa aus dem 4. Jahrhundert und sind mit ihren eingearbeiteten Gold- und Silberpartikeln sowie den zahlreichen Glasgravuren ein Beispiel der sagenhaften Glaskunst.

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