Muranoglas: die hohe Kunst des Glaserhandwerks

Es gibt wohl kein historisches Glas, dass die Fantasie so beflügelt wie das Muranoglas aus den Glasbläsereien der Insel Murano nordöstlich der Lagunenstadt Venedig. Das traditionell kristallklare und kobaltblaue Glas zeugt von der langen und einzigartigen Tradition der Herstellung des kostbarsten mittelalterlichen Glases.

Das Muranoglas und seine frühe Geschichte

Venedig gilt als Wiege der mitteleuropäischen Glasherstellung. Mit den Kobalt- und Mangan-Funden der sagenumwobenen venezianischen Mineraliensucher verwandelten die Glasbläser feinsten weißen Quarzsand in den Glasmanufakturen in das wertvollste Glas ihrer Zeit. Nicht nur aus Brandschutzgründen wurden die Glasöfen im 13. Jahrhundert von der Stadt auf die Insel Murano verlagert. Vor allem die Bewahrung des Geheimnisses der Glasherstellung stand hier im Mittelpunkt des Interesses. Die Glasbläser lebten trotz vieler Privilegien wie Gefangene auf der Insel und durften ihr Wissen zum Muranoglas unter Androhung der Todesstrafe nicht preisgeben und nur an ihre Söhne „weitervererben“. Es existieren sogar heute noch geheime Rezepturen. So konnte die Glaskunst Muranos bisher noch nicht vollständig imitiert werden. Nur die Glasbläser der venezianischen Insel beherrschen die Technik zur Herstellung von Muranoglas.
Diese Vormachtstellung im Bereich der Glasherstellung behielten die Venezianer vor allem dank ihrer strengen, vom Dogen beaufsichtigten, Politik bis ins 17. Jahrhundert. Durch Emigration und Abwerbung (unter anderem von Ludwig XIV.) gelangte die Technik zur Herstellung von Muranoglas schließlich jedoch auch in Länder nördlich der Alpen. Das dort hergestellte „Glas á la façon de Venise“ konnte rein äußerlich von originalem venezianischen Glas nicht unterschieden werden.
Erst mit dem Erfolg barocken Schnittglases – besonders dem Bleiglas aus Böhmen und Schlesien- verlor das Muranoglas seine Monopol-Stellung, da die venezianischen Glasbläser die Technik der Glasgravur nicht beherrschten.

Das Muranoglas und sein Wiederaufstieg

Der sich zunehmend entwickelnde Tourismus Anfang des 19.Jahrhunderts bescherte dem Muranoglas jedoch einen erneuten Aufschwung und es folgte ein bewusstes Anknüpfen an alte Traditionen. Dazu gehörte das Einrichten einer Glasfachschule und die Besinnung auf alte Gestaltungsmerkmale wie dünnwandige Flügelgläser sowie Faden- und Netzgläser, bei denen in durchsichtige Gläser farbige oder weiße Glasfäden eingeschmolzen und zu Mustern verformt und verdreht werden.
Eine der bekanntesten Glasbläsereien ist die heute noch produzierende Fratelli Toso.
Venezianische Glaskunst stellt auch heutzutage ein begehrtes Luxusgut dar. Farbenprächtige Glasfensterarbeiten, pompöse Armleuchter und filigrane Trinkgläser finden sich nicht nur in venezianischen Palästen.

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